Projektbeschreibung

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Stefan Garthe

Seit Mitte der 1990er Jahre nimmt die Zahl an dachbrütenden Möwen in Norddeutschland kontinuierlich zu. Konnten z.B. im Raum Kiel zunächst nur kleinere Ansammlungen von Sturm- und Silbermöwen auf einzelnen Dächern beobachtet werden, stiegen die Zahlen Jahr für Jahr an und es kamen weitere Brutplätze hinzu. Diese verteilen sich inzwischen weitläufig im Kieler Stadtgebiet. Aber auch in verschiedenen Orten entlang der schleswig-holsteinischen Ostseeküste sowie in Westerland auf Sylt konnten bereits Möwenbrutplätze auf Gebäudedächern nachgewiesen werden. Am FTZ Westküste wird das Thema bereits seit einigen Jahren untersucht, um die weitere Entwicklung zu dokumentieren und zu analysieren.

Das Phänomen der Dachbruten ist aus anderen Ländern, wie den Niederlanden, Dänemark, Finnland, Norwegen, aber vor allem Großbritannien und Irland schon seit vielen Jahren bekannt. Bei letztgenannten wurden erstmals in den 1940er Jahren Silber- und Heringsmöwen als Dachbrüter beobachtet; als nationales Phänomen etablierte sich das Brüten auf Dächern in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren, seitdem ist dort die Zahl der Dachbrüter exponentiell angestiegen. Als Gründe vermutet man das üppige Nahrungsangebot im Stadtgebiet und die scheinbar unlimitierten Brutplätze, die vor Bodenfeinden wie Fuchs und Marder meist besser geschützt sind als in den natürlichen Bruthabitaten. Die guten Rahmenbedingungen können daher zu hohem Bruterfolg führen, der die Zunahme an Dachbruten verstärkt. Die Entwicklung der letzten zehn Jahre lässt vermuten, dass auch in Norddeutschland mit einem weiteren Anstieg an Dachbruten zu rechnen ist. 

Da es in Kiel und Westerland auf Sylt während der Brutzeit zu Beschwerden von Bürgern über Verschmutzungen an Wohneigentum durch Vogelkot, Lärmbelästigungen und Angriffe auf Nahrung verzehrende Touristen durch Möwen kam und die Anfragen für den richtigen Umgang mit brutverteidigenden Möwen anstiegen, hat das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume in Kiel (MLUR) im Jahr 2007 die Studie "Untersuchungen zu Dachbruten bei Möwen in Kiel und Westerland"beim Forschungs- und Technologiezentrum in Auftrag gegeben. 

Eine Zusammenfassung der Ergebnisse kann hier eingesehen werden.

Sollten Sie Dachbruten auf Dächern beobachten, können Sie Ihre Meldung an die folgende Adresse senden:

Per Email: dachbruten@ftz-west.uni-kiel.de

Per Post:
Dr. Stefan Garthe 
Forschungs- und Technologiezentrum Westküste
Hafentörn 1
D-25761 Büsum