Projektbeschreibung

Ansprechpartner:

Dr. Nele Markones, Prof. Dr. Stefan Garthe

Dreizehenmoewe (Bild: N. Guse)
Kooperationspartner:
Dr. Ommo Hüppop, Institut für Vogelforschung "Vogelwarte Helgoland", Inselstation Helgoland, P.O.Box 1220, 27494 Helgoland

Die Dreizehenmöwe Rissa tridactyla ist die häufigste Möwenart der Welt. Sie brütet mit 6-8 Millionen Brutpaaren circumpolar auf den Inseln und Küsten der arktischen bis gemäßigten Breiten der Nordhalbkugel. Unter den häufigen Möwen ist sie die einzige Möwe, die sich durch eine wirklich pelagische Lebensweise auszeichnet. In der südöstlichen Nordsee, der Deutschen Bucht, brütet sie nur in einer einzigen Kolonie auf der Hochseeinsel Helgoland. Die derzeit ungefähr 7.000 Brutpaare teilen sich den Seevogelfelsen in den roten Bundsandsteinklippen mit anderen Hochseearten wie der Trottellumme Uria aalge, dem Basstölpel Sula bassana, dem EissturmvogelFulmarus glacialis und dem Tordalken Alca torda. Dreizehenmöwen ernähren sich hauptsächlich von Fisch. Sie erbeuten ihre Nahrung ausschließlich aus den oberflächennahen Wasserschichten. Daher sind sie auf Beutekonzentrationen an der Meeresoberfläche angewiesen. Diese werden z. B. durch Wasserströmungen oder Prädatoren wie tauchende Seevogelarten verursacht, die Beute an die Oberfläche treiben. 

Neben der pelagischen Lebensweise und der Bindung an oberflächennahe Beutekonzentrationen zeichnet sich die Dreizehenmöwe durch weitere Charakteristika aus, die eine Erforschung ihrer Ökologie auf See besonders lohnenswert und interessant machen. Sie ist rund um das Jahr in der Deutschen Bucht in hohen Anzahlen anzutreffen und zählt hier zu den häufigsten Seevogelarten. Dreizehenmöwen sind auf See gut zu erfassen und besonders von Schiffen aus lassen sich auch Beobachtungen zum Nahrungssuchverhalten machen. Zur Brutzeit konzentrieren die Dreizehenmöwen ihre Nahrungssuche auf das Seegebiet um Helgoland und verlassen die Deutsche Bucht vermutlich nicht. Aus diesem Grund eignen sich Dreizehenmöwen auch hervorragend als Bioindikatoren für die Zusammensetzung der lokal verfügbaren pelagischen Kleinfischgemeinschaften und Veränderungen im marinen Ökosystem der Deutschen Bucht.


Folgende Forschungsthemen werden schwerpunktmäßig bearbeitet:

  • Verteilung auf See:
    • Räumlich-zeitliche Muster
    • Bestimmende Faktoren / Habitatwahl
  • Ernährungsökologie
  • Verhalten / Zeit-Aktivitätsbudgets


Bisherige Auswertungen:

Markones N, Dierschke V, Garthe S (2010). Seasonal differences in at-sea activity of seabirds underline high energetic demands during the chick-rearing period. Journal of Ornithology 151: 329-336.

Markones N, Guse N (2009). Eignung von Strandfunden zum Studium der Ernährungsökologie von Basstölpeln (Sula bassana) und Dreizehenmöwen (Rissa tridactyla). Corax 21: 5-12.

Markones N, Guse N, Hüppop O, Garthe S (2009). Unchanging diet in a stable colony: contemporary and past diet composition of black-legged kittiwakes Rissa tridactyla at Helgoland, south-eastern North Sea. Helgoland Marine Research: 63: 199-206

Markones N, Hüppop O, Garthe S (2009). Working hard, gaining less - the breeding season 2008 of Kittiwakes at Helgoland, south-eastern North Sea. Posterbeitrag auf der Seabird Group 10 th International Conference in Brügge, Belgien. 

Markones N, Hüppop O (2008). Kein Sommermärchen - Die Brutsaison 2008 der Dreizehenmöwen auf Helgoland. Posterbeitrag auf dem "7. Deutschen See- und Küstenvogelkolloquium" in Cuxhaven. pdf zum Download (0,1 MB)

Markones N, Garthe S, Dierschke V, Adler S (2008): Small scale temporal variability of seabird distribution patterns in the south-eastern North Sea. In: Wollny-Goerke K, Eskildsen K (eds): Marine mammals and seabirds in front of offshore wind energy. MINOS - Marine warm-blooded animals in North and Baltic Seas. Teubner, Wiesbaden. pp. 115-140

Markones N. (2007): Habitat selection of seabirds in a highly dynamic coastal sea: temporal variation and influence of hydrographic features. Dissertation, Universität Kiel


Dreizehenmoewe

Fotos: N. Guse