Themenschwerpunkt: Zugmuster von Großen Brachvögeln (Numenius arquata)

Ansprechpartner:

Dr. Philipp Schwemmer, Prof. Dr. Stefan Garthe

Projektpartner:

- Universität La Rochelle (Pierrick Bocher & Jerome Fort)
- Universität Tartu und Ornithologische Gesellschaft Estland (Jaanus Elts & Riho Marja)
- Bundesamt für Naturschutz

Projektbeschreibung:

Das Wattenmeer ist ein wichtiges Rastgebiet für Große Brachvögel (Numenius arquata) auf dem Ostatlantischen Zugweg. Derzeit gibt es jedoch nur wenige Informationen über die Konnektivität zwischen Brut-, Rast und Überwinterungsgebieten. Auch ist bislang nicht ausreichend geklärt, wie stark sich die Zugrouten von Großen Brachvögeln mit Offshore-Windparks überlagern. Daher wurden seit dem Jahr 2013 etwa 20 Große Brachvögel an Rastplätzen entlang der deutschen Wattenmeerküste gefangen und mit GPS-GSM-Datenloggern ausgerüstet. Die Geräte zeichneten die Zugwege in Intervallen von bis zu 5 Minuten auf und erlaubten detaillierte Informationen über die zeitliche Ausprägung des Zuges. Schließlich ist es möglich, mit den GPS-Geräten valide Daten zur Flughöhe zu gewinnen, um das potentielle Kollisionsrisiko mit Offshore-Windkraftanlagen genauer abschätzen zu können. 

Bisherige Ergebnisse:

Die Brachvögel verließen das Wattenmeer überwiegend während des Aprils und zogen innerhalb von nur zwei bis vier Tagen zu ihren Brutgebieten, die ausschließlich im Nordwesten Russlands lagen. Alle Individuen blieben für 50 bis 70 Tage im Brutgebiet und kehrten dann an den gleichen Ort im Wattenmeer zurück, an dem sie gefangen wurden. 
Die Brachvögel zeigten einen typischen Breitfrontzug, ohne eine nennenswerte Ausprägung von Flugkorridoren z.B. entlang der Küsten. Dabei zogen einige Individuen auch in großer Nähe zu bereits bestehenden Offshore-Windparks in der Ostsee. Die Flughöhen variierten stark zwischen mehreren hundert und wenigen Metern über Grund. Ein hoher Anteil der Zugzeit fand jedoch auf Höhe der Rotoren von Offshore-Windkraftanlagen statt. 
Im Winter zogen nur einzelne Individuen weiter nach Süden, wohingegen der größte Anteil von Brachvögeln im Wattenmeer überwinterte. Während der Nahrungssuche auf den Wattflächen verhielten sich Brachvögel sehr ortstreu und präferierten zumeist schlickige Bereiche mit hohen Polychaetendichten.
 

Großer Brachvogel, Alpenstrandläufer im Watt

Abb.1: Brachvogel und Alpenstrandläufer bei der Nahrungssuche auf schlickreicher Wattfläche (Foto: F. Güpner).

 

Großer Brachvogel Japannetz

Abb. 2: Aufbau eines Japannetzes im Wattenmeer zum Fang von Großen Brachvögeln (Foto: J. van Gils).

 

Großer Brachvogel Karte

Abb. 3. Zugroute eines Großen Brachvogels in drei aufeinanderfolgenden Jahren. Das Brutgebiet liegt am Weißen Meer. Außerhalb der Brutzeit hielt sich der Brachvogel ausschließlich im Wattenmeer auf.
Kartengrundlage: Esri, DigitalGlobe, GeoEye, Earthstar Geographics, CNES/Airbus DS, USDA, USGS, AeroGRID, IGN, and the GIS User Community