Projektbeschreibung



Ansprechpartner:
Dr. Philipp Schwemmer, Prof. Dr. Stefan Garthe

Kooperationspartner:
Nationalparkverwaltung im Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein
Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer
Michael-Otto-Institut im NABU
Universität Liège
Schutzstation Wattenmeer e.V.


Hintergrund der Wattenmeerforschung am FTZ

Das Wattenmeer ist durch seine enorme biologische Produktivität von besonderer Bedeutung für Vögel. Millionen von Zugvögeln nutzen diesen Lebensraum als Zwischenstopp auf dem Weg zu ihren Überwinterungs- und Brutgebieten. Im Fall einiger Arten nutzt nahezu die gesamte Population das Wattenmeer während des Zuges. Auch für Brutvögel bietet das Wattenmeer mit seinen Salzwiesen und ausgedehnten Tideflächen ein wichtiges Brut- und Nahrungshabitat. In den letzten Jahren zeichnen sich jedoch bei vielen Arten dramatische Bestandsrückgänge ab. Die Ursachen dieser Rückgänge sind bislang völlig unverstanden.
Im Jahr 2007 wurde am FTZ ein Forschungsfeld ins Leben gerufen, das u. A. die Muster der Raumnutzung von Vögeln in ihrem Nahrungshabitat näher beleuchten soll. Damit soll möglichen Zusammenhängen zwischen den Bestandsrückgängen einiger Arten und Vorgängen im Nahrungshabitat auf den Grund gegangen werden. Darüber hinaus wurde ein Projekt initiiert, in dem der Gesundheitszustand von Vögeln des Wattenmeeres untersucht werden soll. 


Verbreitungsmuster und Verhalten von Küstenvögeln auf Wattflächen

Zahlreiche Küstenvögel nutzen die Wattflächen des Wattenmeeres als Nahrungshabitat. Wenn die Wattflächen während der Hochwasserperiode überspült sind, fliegt ein Großteil der Individuen in küstennahe Gebiete, um dort in oft großen Ansammlungen zu rasten. Diese Ansammlungen werden seit vielen Jahren wattenmeerweit systematisch erfasst, so dass ein solides Bild über das jahreszeitliche Auftreten und die Bestandsentwicklung der meisten Arten vorliegt. Aufgrund der Unzugänglichkeit vieler großer Wattflächen existieren bislang jedoch kaum Informationen über die Verbreitung der Wattenmeervögel in ihrem Nahrungshabitat. Es ist nur unzureichend bekannt, wo welche Arten ihre Nahrung suchen und was sie für Ansprüche an ihr Nahrungshabitat stellen. 
Um diese Wissenslücke zu schließen, wurde seit Ende 2007 mit schiffsbasierten Kartierungen von Wattenmeervögeln in ihrem Nahrungshabitat, auf den Wattflächen, begonnen. Dabei wird die Artenzusammensetzung, Individuenzahl und das Verhalten protokolliert. Indem verschiedene Habitatparameter, wie Nahrungsverfügbarkeit, Sedimentzusammensetzung und Überflutungsdauer hinzugezogen werden, können genauere Aussagen über Raumnutzungsmuster verschiedener Arten und Ansprüche der Arten an ihren Lebensraum getroffen werden. Diese Informationen sind wichtige Basisparameter, die helfen können, den derzeitigen Bestandsrückgang von einigen Arten im Wattenmeer zu klären.

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GPS-Datenlogger zur Raumnutzung von Austernfischern

Eine immer wichtigere Technologie zur Erforschung der Verbreitungs- und Aktivitätsmuster von Vögeln im Nahrungshabitat ist der Einsatz von GPS-Datenloggern. Dies sind nur wenige Gramm-schwere Geräte, die mit Hilfe von Gewebeband am Gefieder von Vögeln angebracht werden und automatisch in bestimmten Zeitabständen Daten, wie z.B. die geographische Position, die Tageszeit und die Fluggeschwindigkeit des Vogels aufzeichnen. Wir arbeiten mit mini-GPS-Datenloggern der Firma earth & ocean technologies, Kiel. In der Brutsaison 2008 wurden diese Geräte erstmals durch mehrere Einsätze an Austernfischern (Haematopus ostralegus) auf der Hallig Oland an einer Vogelart des Wattenmeeres erprobt. Hierdurch konnten Erkenntnisse gewonnen werden, welche Nahrungsreviere bestimmte Individuen bevorzugten, welche tageszeitlichen und nächtlichen Aktivitätsmuster die Vögel zeigten und wie der Zusammenhang zwischen ihrem Verhalten und dem Tidenstand zu bewerten ist.

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