Wissenschaftskommunikation

Wissenschaftskommunikation
Viele unserer angewandten Forschungsarbeiten stehen an der Schnittstelle zwischen unterschiedlichen Gruppen, Berufsfeldern und Stakeholdern.
Die Ergebnisse sind sowohl für die Wissenschaft, Behörden, Politik, Wirtschaft, Medien, NGOs (nicht staatliche Organisationen) als auch für die Gesellschaft relevant und von Interesse. Als Wissenschaftler*in ist man daher immer stärker gefordert, sich in der schriftlichen und mündlichen Kommunikation von Forschungsergebnissen auf die unterschiedlichen Zielgruppen einstellen zu können.
Dies zielgruppengerecht erfüllen zu können, ist einer der Schwerpunkte unserer Arbeit in Forschung und Lehre.

Die Studierenden lernen die unterschiedlichen Denksysteme und Strukturen von Politik, Behörden, Medien und NGOs kennen, die sich in ihren Rollen, Aufgaben, Zielen und Motiven stark von der Wissenschaft unterscheiden.
Kenntnis und Bewusstsein für diese großen Unterschiede sind die Voraussetzung dafür, sie zu erkennen, nicht zu vermischen oder zu verwechseln.
Dieses Wissen soll den Studierenden auch als Entscheidungshilfe für die Wahl der späteren beruflichen Ausrichtung dienen.

Wissenschaftliches Arbeiten
Wissenschaftliches Arbeiten soll kritisch, neutral, objektiv und vor allem ergebnisoffen sein.
Wissenschaft strebt immer nach der Wahrheit.
Diese Wahrheit ist das Ergebnis des jeweiligen Wissens- und Kenntnisstandes. Kommen neue Informationen hinzu und die Faktenlage ändert sich, müssen Erkenntnisse und daraus abgeleitete Empfehlungen entsprechend angepasst und ggf. auch revidiert werden.
Wissenschaftliches Arbeiten unterliegt strengen Regeln, die zu nachvollziehbaren Ergebnissen führen und deshalb bloßen Meinungen überlegen sind.
Wissenschaftler verpflichten sich, diese Regeln bei ihrer Arbeit einzuhalten. So müssen alle Promotions-Absolventen der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Kiel bei der Verleihung des akademischen Doktorgrades dieses Gelöbnis ablegen:

"Ich verpflichte mich, den akademischen Grad, den mir die Fakultät verleihen wird, in Ehren zu halten und nach bestem Wissen und Gewissen die Wahrheit zu suchen und zu bekennen."

Zur Qualitätssicherung wissenschaftlicher Arbeit wurde ein flächendeckendes System der Selbstkontrolle eingerichtet. In den "Leitlininien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis" sind Kodex und Berufsethik von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zusammengefasst und verankert:

Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis - Kodex - DFG

Verstöße gegen diesen Kodex können je nach Schweregrad unterschiedlich geahndet werden, bis hin zum Entzug des Doktortitels.

Da Menschen natürlicherweise Fehler machen, hat das wissenschaftliche System für die Überprüfung wissenschaftlicher Ergebnisse das sogenannte Peer-Review-System geschaffen. Vor der Veröffentlichung neuer Erkenntnisse überprüfen Experten und Wissenschaftler der jeweiligen Fachbereiche die Inhalte auf ihre Richtigkeit, um  falsche Ergebnisse, ob bewusst oder versehentlich erzeugt, soweit wie möglich auszuschließen.
Neben dem regelmäßigen wissenschaftlichen Diskurs sind Freiheit und Unabhängigkeit die Voraussetzung für korrektes wissenschaftliches Arbeiten.
Was die Freiheit der Wissenschaft einschränkt, beschränkt auch die Aussagekraft und Bedeutung wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Die Aufgabe der Wissenschaft
Wissenschaftler*innen schaffen Wissen, treffen aber keine politischen Entscheidungen. Das ist die Aufgabe der Regierung.
Die Gesamtheit des menschlichen Wissens wird durch Wissenschaftler*innen systematisch und kontinuierlich erweitert, gesammelt, aufbewahrt und gelehrt.
-> Wissenschaftliche Ergebnisse können "politisch unkorrekt" ausfallen.
-> Sie können Nachteile für bestimmte Interessensgruppen mit sich bringen.
-> Sie können auch dem eigenen Weltbild des Forschers zuwiderlaufen.

Wissenschaftskommunikation mit Politik, Behörden & Gesellschaft
Regierungsvertreter*innen sind auf verständliche Forschungsergebnisse und Informationen angewiesen, um politische Entscheidungen treffen zu können. Sie tun dies als gewählte Volksvertreter*innen und tragen die Verantwortung dafür, diese Entscheidungen im Sinne der Bürger*innen zu treffen. Diese Entscheidungen sollten auf der Grundlage der besten verfügbaren Informationen gefällt werden, sprich, auf Grundlage wissenschaftlicher Evidenz und Argumentation.
Politische Entscheidungsträger*innen müssen die Fähigkeit und die Bereitschaft mitbringen, diese zu verstehen. Wissenschaftler*innen können dafür sorgen, dass ihre Ergebnisse in verständlicher Form kommuniziert werden.
Wissenschaft spielt somit eine wichtige Rolle beim Erhalt unserer Demokratie.
Nicht immer trifft die Politik Entscheidungen, die auf Grund der wissenschaftlichen Faktenlage am vernünftigsten wären, da sie zwischen unterschiedlichen Interessen und Sachzwängen abwägen muss.
Nicht immer ist das, was wissenschaftlich möglich ist, auch ethisch vertretbar.
Was tun, wenn zwei erstrebenswerte Ziele miteinander kollidieren, z.B. der Ausbau erneuerbarer Energien, wie die Windenergie, und der Artenschutz?
Hier ist die Gesellschaft gefragt: In welcher Welt wollen wir leben?

Eine Meinung kann man nur haben, wenn man die Fakten kennt.
Die Bürger*innen sind daher auf verständliche Informationen aus der Wissenschaft angewiesen, um sich eine fundierte Meinung zu einem bestimmten Thema bilden zu können.
Zur Aufgabe der Universität gehört es außerdem, die Studierenden zu verantwortungsbewußten Persönlichkeiten und Bürger*innen heranzuziehen, die Meinungen, Standpunkte, Weltanschauungen, Strömungen, Ideologien, aber auch wissenschaftliche Erkenntnisse kritisch hinterfragen und auch in der Lage sind, ihre Kritik auf Grundlage soliden Wissens konstruktiv zu begründen. Wer verstanden hat, wie der wissenschaftliche Erkenntnisprozess funktioniert, wie man seriöse von unseriösen Quellen unterscheidet, und wer Sachkenntnis mit kritischem Denken verbinden kann, läuft weniger leicht Gefahr, auf Manipulationen, Desinformation und "alternative Fakten", sprich Lügen, hereinzufallen.

Für Wissenschaftler*innen aus angewandten Themenfeldern bedeutet das, dass sie ihre Forschungsergebnisse je nach Zielgruppe entsprechend aufbereiten müssen.
Ein Fachvortrag für eine wissenschaftliche Konferenz ist anders aufgebaut als ein Vortrag für eine öffentliche Bürgerveranstaltung oder vor Fachvertreter*innen einer Landes- oder Bundesbehörde.
Eine wissenschaftliche Publikation folgt anderen Regeln und Formalia als ein Beitrag für journalistische Formate.
Trotz dieser Unterschiede gibt es allgemeingültige Regeln für Vorträge und Schriftwerke bezüglich klarer Strukturen, verständlicher Sprache und ansprechender Präsentation.